Die Brüder Humboldt - Eine Biografie

Manfred Geier, Rowohlt. 2009.

Die Brüder Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835) und Alexander von Humboldt (1769 - 1859) haben Geschichte geschrieben – Wilhelm als Philosoph, Sprachforscher und preußischer Staatsmann, Alexander als Naturforscher, Schriftsteller und Weltreisender.

Dieser ist Vielen in den letzten Jahren wieder präsent: die Neuausgabe seines Monumentalwerkes ‚Kosmos’ wie auch durch den Roman von Daniel Kehlmann ‚die Vermessung der Welt’
Diese Doppelbiografie schildert das Wirken der beiden Brüder und entwirft gleichzeitig ein Bild des Zeitalters, in dem sie lebten. Die Ära der Aufklärung, die Blütezeit des Klassizismus, die französische Revolution, die napoleonischen Kriege, die Berliner Salons der Henriette Herz und der Rahel Varnhagen, die Neugestaltung Preußens – Wilhelm von Humboldt prägte als Politiker, Bildungsplaner den Staat mit, steht im Diskurs mit seinem Bruder, der als Forscher viele Jahre in Südamerika unterwegs war und nach seiner Rückkehr nicht in Preußen leben mochte. Auch im Privaten geht ihr Leben entgegengesetzte Wege: Wilhelm führte eine Musterehe, resultierend auf den Ideen des ‚Tugendbundes’, ist aber auch außerehelichen erotischen Abenteuern nicht abgeneigt: Alexander dagegen ist – wie Geier es ausdrückt – homophil, seine Briefe an seine Freunde tragen eindeutig erotische Anklänge.
Auch wenn die Zeit und die Reisen die Brüder trennte, ist ihre Verbundenheit durch viele Briefe belegt, ob an die Verlobte, die Ehefrau, an Herzensfreunde und Freundinnen. Diese Belege nutzte Geier, um das Bild einer Epoche zu zeichnen, das Ideal der Aufklärung, wie auch einen Humanismus, den sich beide verschrieben: sie repräsentierten Wissen und Weltbild ihrer Zeit.
Dieses Buch ist nicht nur eine Biografie zweier Brüder, sondern verwebt diese lebendig mit ihrem Zeitalter, ihrer Geschichte, ihren Ideen und Idealen.