Land des Fußballs

Curi, Martin. Brasilien –  Verlag Die Werkstatt Göttingen 2013. 348 S. € 19.90; auch als e-book

Martin Curi lebt seit vielen Jahren in Rio und ist ein aficionado – und das spürt man in jeder Zeile des Buches. Fußball hat einen hohen Stellenwert in der brasilianischen Gesellschaft, sodass das Land oft nur als „Land des Fußballs und des Sambas“ wahrgenommen wird. Curi gelingt der Spagat der Beschreibung des sozialen Phänomens Fußball und der politischen Realität. Geschichten wie die der verschiedenen Klubs und auch die der Spieler ergeben einen unterhaltsamen Mix zwischen persönlichen Erlebnissen und sachbezogenen Kommentaren.
In einem historischen Abriss beschreibt der Autor, wie vor allem die Enttäuschungen bei den Fußball-Weltmeisterschaften 1950 im eigenen Land, 1978 in Argentinien und 1982 in Spanien zu Identitätskrisen führten: Staatstrauer aller Orten. Daneben untersucht Curi all jene Kräfte, die noch heute auf den Fußball einwirken: Politik, Medien, religiöse Gemeinschaften und Hexer, fanatische Anhänger der Vereine. Kurios ist auch seine Suche nach dem Verbleib brasilianischer Fußballer in Deutschland: Sie führt ihn u.a. nach Neuruppin und in das Dickicht der Spielervermittlungen.
Eine kurze politische Einführung für den Fußballinteressierten – aber der Anhang hat was: Spielstätten mit ihren clubes, eine Auflistung der Stationen und Fußballer der selecção, Tabellen, ein kurzes Wörterbuch (Achtung: bei den Schimpfwörtern steht leider nicht dabei, dass diese eigentlich Teil der Alltagskultur sind) sowie ein Literaturverzeichnis, in dem das wichtige, 2002 erschienene Buch „Futebol“von  Alex Bellos 2002 natürlich nicht fehlen darf.

Anne Reyers