Das indigene Brasilien auf dem Schleudersitz

158Indigene schleudersitzBernd Lobgesang

Der künftige Präsident fordert eine ganz neue Indianer- und Naturschutzpolitik.

Nun ist es also geschehen: Was viele befürchtet haben, ist tatsächlich eingetreten. Jair Messias Bolsonaro, zuvor Fallschirmspringer und dann jahrelang Mitglied der Abgeordnetenkammer, hat den zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahlen für sich entschieden und wird Anfang Januar 2019 die Regierungsgeschäfte in Brasília übernehmen.
Ein radikaler Hinterbänkler, der in der Vergangenheit neunmal die Partei wechselte und schon immer durch seine aggressive Rhetorik und Polemik auffiel, steht dann an der Spitze des größten und bevölkerungsreichsten Landes Lateinamerikas und übernimmt die politische Mitverantwortung für das Schicksal von ca. 210 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer.
Was aber bedeutet das für die Indigenen, eine der schwächsten, wenn nicht sogar die schwächste Gruppe innerhalb der nationalen Gesellschaft? Da Bolsonaro schon im Vorfeld seiner Wahl sehr konkret zur künftigen Indianerpolitik Stellung bezogen hat, konnte man sich seine Vorschläge genau ansehen und sich früh ein eigenes Urteil bilden. Wichtig ist vor allen Dingen, dass man diesen Mann ernst nimmt, um nicht schon bald unangenehm überrascht zu werden.
Um es gleich vorwegzunehmen: Den etwa 240 indianischen Völkern auf dem brasilianischen Territorium drohen schlimme Zeiten, im besonders schlimmen Fall der subtile oder sogar offen praktizierte Ethnozid und im schlimmsten Einzelfall auch der Genozid. Unter dem noch amtierenden Präsidenten Michel Temer wurden die Finanzmittel für den staatlichen Indianerschutzdienst (FUNAI) schon um 40% gekürzt. Jetzt aber droht die komplette Auflösung dieser Behörde, die seit ihrer Gründung im Jahr 1967 eine wichtige, wenn auch leider nicht immer positive Rolle in der nationalen Indianerpolitik gespielt hat. Da die bereits 1910 gegründete Vorläuferorganisation SPI und später dann die FUNAI immer der verlängerte Arm der Regierung waren, vertraten sie auch deren Interessen, die sich aufgrund ihrer wechselnden Zusammensetzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte oft im Einzelnen veränderten, in Bezug auf die Indianerpolitik aber im Prinzip bis Ende des vergangenen Jahrhunderts weitgehend konstant blieben: Jahrzehntelang verfolgte deshalb die FUNAI das Ziel der völligen Assimilation der indianischen Gruppen und ihr komplettes Aufgehen in die Mischlingsbevölkerung. Durch die Verfassung von 1988 wurden dann aber die Rechte der Ureinwohner durch die Anerkennung ihres besonderen Status enorm gestärkt. Der Schutz und der Erhalt ihres Landes, ihrer Kultur und ihrer Sprachen wurden zum Staatsziel erklärt und im Artikel 231 schriftlich fixiert. In der schwierigen Folgezeit zu Beginn der neuen demokratischen Phase entstanden neue, sowohl kleine als auch weitläufige Reservate im ganzen Land, darunter das 17.430 km² umfassende Raposa Serra do Sol und das   96.650 km² große Reservat der Yanomami, beide im nordbrasilianisch-venezolanischen Grenzgebiet.
In vielen Indianerdörfern gibt es Niederlassungen der Indianerschutzbehörde, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der FUNAI beratend und vermittelnd tätig sind. Sie teilen das alltägliche Leben mit den Dorfbewohnern und kennen es oft besser als jeder andere. Sie spielen eine wichtige Rolle als landwirtschaftliche Berater, sie helfen mit bei der Schlichtung von internen Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit der Außenwelt, sie leiten Beschwerden und Vorschläge an die FUNAI-Zentrale in der Landeshauptstadt Brasília weiter. Dass viele FUNAI-Beamte selbst Indianer sind, erleichtert den Zugang der Organisation zu den Kaziken, Schamanen und den übrigen Dorfbewohnern.
Alles das steht auf dem Spiel, sollte die FUNAI noch weiter eingedampft oder ganz aufgelöst werden. Die neue Regierung würde sich damit ihrer durch die Verfassung festgeschriebenen Verantwortung entziehen. Sollte sie die entsprechende Mehrheit im Kongress zusammenbekommen, kann sie natürlich die Verfassung in ihrem Sinne verändern. Auch diese katastrophaler Wende in der Indianerpolitik ist jetzt durchaus vorstellbar.

Klimaschutz – nein danke!

Bolsonaro droht damit, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Und nicht nur das: Das Umweltministerium und die Umweltschutzbehörde IBAMA, die bisher wenigstens einige der Umweltsünder verfolgen und bestrafen konnte, will er auflösen. Ihre Aufgaben soll ein personell aufgeblasenes Agrarministerium übernehmen, in dem ohne Zweifel die Großgrundbesitzer den Kurs vorgeben werden. Auf der Streichliste des neuen Präsidenten steht aber auch das halbstaatliche Institut Chico Mendes, das für die Erhaltung der Biodiversität in Brasilien zuständig ist und unter anderem die Regierung bei der Schaffung von Waldschutzgebieten wissenschaftlich berät. Alles das geschieht zu einem Zeitpunkt, zu dem der Weltklimarat in einer international wahrgenommenen Erklärung darauf hinweist, dass uns wahrscheinlich weniger als zwei Jahrzehnte bleiben, wollen wir die Erhöhung der globalen Temperaturen um bis zu 1,5 Grad erreichen.    
Bolsonaro hält das nicht von seinen Plänen ab, die Abholzung des amazonischen Regenwaldes durch Gesetzesänderungen weiter zu erleichtern und voranzutreiben. Damit versetzt er den dortigen indianischen Kulturen den Todesstoß, denn die Existenz des Waldes ist für sie – genauso aber auch für viele andere dort lebende amazonische Gemeinschaften – die Grundlage ihrer Existenz. Im Schutze der manchmal 40 und mehr Meter hohen Bäume legen sie ihre Gärten und Pflanzungen an, fischen sie in seinen Flüssen, sammeln sie Totholz, Maden, andere Kleintiere, Wildkräuter und Schildkröteneier, gehen sie zur Jagd und betreiben sie die Imkerei.

Wald ist Leben

Die Folgen eines weiteren Waldverlustes werden für Amazonien, für ganz Brasilien, darüber hinaus aber auch für Lateinamerika und letztendlich für den ganzen Planeten dramatisch sein. Amazonien ist zwar nicht, wie oft behauptet wird, die grüne Lunge der Welt, denn die Regenwälder produzieren nicht nur sehr viel Sauerstoff, sondern verbrauchen ihn auch weitgehend. Aber die Wälder sind wie ein Schwamm, der unendlich viel Wasser aufnimmt und speichert, und das sowohl ober- als auch unterirdisch. Der oberirdisch abfließende Niederschlag, dessen Menge zu den höchsten in der ganzen Welt zählt, sammelt sich in Flüssen und Strömen, die zum Teil auch in andere Regionen außerhalb Amazoniens fließen. Zu ihnen gehören z.B. der Rio Paraguay und der Rio Paraná, die für die brasilianischen Nachbarländer Argentinien und Paraguay eine entscheidende Rolle als Wasserlieferanten spielen.
Meteorologen wissen zudem, dass über den bewaldeten Regionen Amazoniens wesentlich mehr Wolken als in anderen Biotopen entstehen, die, durch die Winde weggetrieben, den Südosten und Süden des Landes reichlich mit Niederschlag versorgen. Wenn es kein geschlossenes Blätterdach mehr gibt und im schlimmsten Fall sogar die Wälder gerodet sind, dringen die Sonnenstrahlen, die jetzt noch zum größten Teil wieder in den Weltraum reflektiert werden, bis zum Boden vor und heizen ihn enorm auf. Das Klima wird also bei fortgesetzter Waldvernichtung noch heißer und trockener werden, als es jetzt schon ist.
In den vergangenen Jahren hat es schon mehrfach Hinweise darauf gegeben, dass genau dieses Horrorszenario Wirklichkeit zu werden droht: Flüsse in Amazonien trockneten wegen monatelanger Trockenheit aus, im Südosten und Süden des Landes kam es immer wieder zu großen Überschwemmungen. Und in diesem Jahr brach aufgrund einer monatelangen extremen Dürre die Wasserversorgung im Großraum São Paulo, immerhin ein Großraum mit 20 Millionen Einwohnern und wirtschaftliches Zentrum des ganzen Landes, fast komplett zusammen. In den Stauseen, die die Metropole mit Trink- und Brauchwasser versorgen, waren die Wasservorräte auf unter 10% der normalen Menge zusammengeschrumpft. Brasilien hätte also allen Grund, zu einem Vorreiter des Klimaschutzes zu werden, denn nur so kann man vielleicht noch weitere gigantische Schäden, die seinen Bewohnern drohen, vermeiden. Doch genau in diesem entscheidenden Moment der Gegenwart übernimmt ein Mann die Regierungsgeschäfte, der  alles das negiert und nur den kurzfristigen Profit für Großagrarier, Gold- und Diamantensucher, Sägewerkbesitzer, Staudammbauer, Mineneigentümer und Spekulanten im Auge hat. Schlimmer als jetzt könnte die Zukunft Amazoniens und ganz Brasiliens kaum aussehen.

Ein Rassist an der Macht

Bolsonaro fiel in der Vergangenheit immer wieder durch extrem rassistische Ausfälle auf, die sich nicht nur gegen die schwarze Bevölkerung, sondern auch gegen die Indigenen richteten.Er wirft ihnen - und bedient damit stereotype Vorurteile der Mehrheitsgesellschaft – Faulheit, wirtschaftliche Unfähigkeit, Dummheit und politische Anmaßung vor. Den konservativen Teilen der brasilianischen Gesellschaft ist es ein Dorn im Auge, dass „so wenige“ Indianer „in so großen“ Reservaten leben dürfen, in denen sie gemäß der Verfassung sich selbst mehr oder weniger selbst verwalten können. Ihr Land, das letztendlich Eigentum des Staate ist und bleibt, darf weder privatisiert noch verkauft werden. Nichtindianer haben auch kein Recht, dort zu leben. Das ist eine Regelung, die in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Für die Einhaltung dieser Regeln ist allein der Staat verantwortlich, in dessen Händen auch der oft extrem langwierige Prozess der Vermessung und Kartierung des indianischen Landes liegt. Dieser Prozess endet, wenn er erfolgreich durchlaufen wird, mit der offiziellen Anerkennung der indianischen Landansprüche durch den Staatspräsidenten: Durch seine Unterschrift unter ein Dekret wird dann aus einem indianischen Landanspruch ein Reservat und damit eine territoriale Einheit, die gemäß der ursprünglichen Auslegung der Verfassung nicht mehr aufgelöst werden darf.
Alles das möchte der künftige Präsident radikal verändern. Er machte niemals ein Hehl daraus, dass die Indigenen nach seiner Meinung über viel zu viel Land verfügen. Er hat auch bereits angekündigt, dass kein weiterer Zentimeter mehr für sie demarkiert werden soll. Schlimmer noch: Er wird alles daran setzen, bereits existierende Reservate zu verkleinern oder zu zerstückeln, sie vielleicht sogar wieder aufzulösen. Damit ist er einer Meinung mit dem designierten Vizepräsidenten, dem ehemaligen General Hamilton Mourão, der öffentlich erklärte, das indianische Erbe sei für die Faulheit und Trägheit unter dem brasilianischen Volk verantwortlich. Nur am Rande sei hier erwähnt, dass sich dieser Mann die Erarbeitung einer neue Verfassung unter Ausschluss des Volkes wünscht.
Mit seiner negativen Einschätzung der Indianer steht Mourão leider keineswegs allein in Brasilien. Die meisten Menschen in den Großstädten haben keinen oder nur selten Kontakt mit Ureinwohnern und die Leute auf dem Land stehen in einigen Regionen in einem Konkurrenzkampf mit den Indianern um die Ressource Land. Dass die Indigenen insgesamt sogar 13% der Landfläche Brasiliens für sich beanspruchen, den allergrößten Teil davon in Amazonien, heizt den Hass auf sie immer wieder aufs Neue an. Insbesondere der Fernsehsender „Rede Globo“, der im Wahlkampf massiv Bolsonaro unterstützte, hat in der Vergangenheit mit dieser Forderung die Stimmung gegen die „Nacktärsche“ zum Kochen gebracht. Die Indianer sind die Fremden, die nicht richtig dazugehören:  Nach landläufiger Meinung liegen sie faul in der Hängematte und verlangen frech Almosen vom Staat, der ihnen auch noch auf Kosten des „Volkes“ Land in Hülle und Fülle schenkt. Und das nutzen sie noch nicht einmal vernünftig, weil sie es nicht roden.
Auf diese antiindianischen Vorurteile kann der neue Präsident bauen. Deshalb wird er auch mit größter Sicherheit immer dann, wenn es sich anbietet, das alte Schreckgespenst von indigenen Unabhängigkeitsbewegungen in den nordbrasilianischen Grenzgebieten heraufbeschwören, dessen sich schon die Militärs in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bedienten. Sie behaupteten, Reservate in den angeblich schwer zu überwachenden Grenzregionen Amazoniens seien ein Risiko für die brasilianische Souveränität. Aufständische und illoyale Indigene könnten auf eigene Faust oder mit Unterstützung durch fremde Mächte versuchen, eigene Staaten auf brasilianischem Territorium zu errichten. Besonders gefährlich seien Völker, die sowohl diesseits als auch jenseits der Staatsgrenze lebten, so z.B. die Yanomami. Als mögliche Gefährder der nationalen Souveränität wurden nicht nur ausländische Staaten beschuldigt, sondern auch viele nichtstaatliche, in der Regel internationale Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International oder Greenpeace.
Es ist zu befürchten, dass diese absurde Verschwörungstheorie Teil der neuen Staatsdoktrin wird. Sie wird gerade in Amazonien, der letzten Region Brasiliens mit einigen geschlossen indianischen Siedlungsinseln, dafür herhalten müssen, dass jeder Fortschritt im Kampf der Ureinwohner um ihre legitimen Rechte der Garaus gemacht wird.

Und die Indianer?

Man mag es kaum glauben, aber nicht alle Indigenen sind geschlossen gegen den Hetzer aus der Kleinstadt Eldorado im Bundesland São Paulo. Als sein Wahlsieg feststand, kam es zum Beispiel in der kleinen Grenzstadt São Gabriel im brasilianisch-kolumbianischen Grenzgebiet des Bundeslandes Amazonas zu spontanen Jubelfeiern und zu einem Feuerwerk. Die meisten Festteilnehmer waren Militärs, die dort massiv stationiert sind, und ihre Familien. Aber unter die Feiernden mischten sich auch Vertreter der dort lebenden indianischen Völker und ihrer Verbände. Sie wählten Bolsonaro, weil sie sich jetzt eine Lockerung der Umweltschutzgesetze und verstärkt Bergbaulizenzen für ihre Reservate versprechen. Sie könnten, so erklärten sie es gegenüber den erstaunten Journalisten, ab sofort in Eigenregie Bäume fällen, die Erde umgraben und nach Bodenschätzen suchen, um reich zu werden. An dieser Haltung sieht man, dass Verblendung und Materialismus keineswegs vor den Indigenen Halt machen.     
Die Reaktion der Ureinwohner in São Gabriel bildet aber eher die Ausnahme. Die meisten Ureinwohner wissen aus trauriger Erfahrung, was ihnen bei einer Militarisierung der Gesellschaft und ihrer Heimatregion blüht. Die meisten wählten deshalb den PT-Präsidentschaftskandidaten Fernando Haddad, wie die Ergebnisse in vielen Munizipien Amazoniens belegen, in denen die indianischen Völker eine starke Minderheit oder sogar die Mehrheit stellen, wie z.B. in der Region Raposa Serra do Sol.

Ein Lichtblick im äußersten Norden

Aus dieser Region am Rand Nordbrasiliens kommt auch eine der wenigen erfreulichen Nachrichten, die mit den Wahlen zusammenhängen. Dort im bergigen Raposa Serra do Sol errang die 43-jährige indianische Aktivistin Joênia Wapichana einen Sitz im Abgeordnetenhaus, nachdem sie per Crowdfunding 500 € für ihre Kampagne erhalten hatte. Sie errang 8.491 Stimmen und zieht für die Partei „Rede“ der früheren Umweltministerin Marina Silva nach Brasília ins Parlament. Damit ist sie die erste Parlamentarierin Brasiliens indianischer Abstammung. Der bisherige Lebensweg Joênias liest sich wie ein modernes Märchen: Sie wuchs, bis sie acht Jahre alt wurde, mit ihren Geschwistern im Dorf Wapixana in Raposa Serrra do Sol auf und zog dann zusammen mit ihrer Mutter nach Boa Vista, in die Hauptstadt des Bundeslandes Roraima. Nach der Schulzeit arbeitete sie als Buchhalterin und studierte wie so viele benachteiligte Brasilianerinnen und Brasilianer abends Jura. Später ging sie in die USA und erhielt an der Universität von Arizona den Masterabschluss. Sie wurde die erste indigene Rechtsanwältin Brasiliens. Aber nicht nur das: Joênia Wapichana fühlt sich dem Kampf ihres Volkes und der anderen Indigenen eng verbunden. So nahm sie aktiv an dem jahrelangen Kampf um die Errichtung eines Reservats in ihrer Heimatregion teil, der 2005 mit der Errichtung des Reservats Raposa Serra do Sol seinen vorläufigen Abschluss fand. Heute arbeitet sie im Indigenen Rat von Roraima mit und erhielt mehrere Menschenrechtspreise, darunter auch einen vom brasilianischen Kulturministerium. „Sogar bei uns zu Hause werden wir als Diebe bezeichnet. Dieser Diskriminierung muss ein Ende gesetzt werden“, erklärte sie während des Wahlkampfes. Obwohl sie dreihundert Kilometer von ihrem Heimatdorf Wapixana entfernt lebt, bringt sie ihren beiden Kindern die Muttersprache bei, damit sie nicht „vergessen, wo sie herkommen“. Um ihre enge Verbundenheit mit ihrem Volk auszudrücken, hat sie schon vor Jahren ihren ursprünglichen Namen Batista de Carvalho abgelegt und nennt sich seitdem Wapichana.
In Zukunft wird sie noch viel weiter von ihrem Herkunftsort entfernt sein. Als Frau gehört sie zur Minderheit der insgesamt 77 Parlamentarierinnen bei 436 Parlamentariern in der Abgeordnetenkammer, und als Indianerin zählt sie zur nur Minderheit der Indigenen, die 0,4% der Gesamtbevölkerung umfasst. In Brasilia muss sie einen schweren Kampf führen – gegen den Machismo, gegen eine rechte Parlamentsmehrheit, gegen einen demagogischen Präsidenten und seine nicht minder nationalistische Regierung und auch gegen die Mehrheit des brasilianischen Wahlvolkes, das sich gegen seine Zukunft entschieden hat. Aber damit Amazonien die Fahrt auf dem Schleudersitz überlebt, lohnt sich dieser Kampf.

Ausgabe 158/2018