Ein Projekt verändert die Lebenswirklichkeit
Salvador da Bahia, mit knapp drei Millionen Einwohnern, ist der Tourismus-Magnet im Nordosten und das Elend ist tagtäglich sichtbar.
Jährlich besuchen Millionen diese Stadt mit ihrer reichhaltigen Kultur. Über 90 % der Bevölkerung sind dunkler Hautfarbe und bis heute sind die Folgen der Kolonialzeit und des damals herrschenden Sklavenhandels sichtbar.
Hier, am Rande dieser Großstadt liegt das Stadtviertel São Cristovão und hier wohnen nach der letzten Volkszählung von 2022 inzwischen 95.612 Einwohner. Gekennzeichnet durch eine der höchsten Kriminalitätsraten in Salvador liegen in São Cristovão viele soziale Probleme vor. Die Brasilieninitiative Freiburg e.V. unterstützt daher seit 2007 ein Projekt, welches für viele Bewohner:innen eine erhebliche Verbesserung ihres Alltags bewirkt.
Begonnen hatte alles mit einem Besuch eines Mitglieds der Brasilieninitative Freiburg e.V. Vorhanden war ein Grundstück und die Idee des Aufbaus eines Gemeinschaftszentrums. Zielgruppe dieses Projekts sollten die bedürftigsten Familien dieses Stadtteils sein. Gemeinsam mit dem Verein „Associação Dom Bosco“, an dessen Spitze der engagierte Priester Cristoforo Testa stand, wurde die Realisierung begonnen.
Staatlicherseits wurden zu diesem Zeitpunkt Aufgaben wie schulische Angebote, Kinderkrippen oder Gesundheitseinrichtungen vernachlässigt und dies führte zu einer Art Selbsthilfe, das Projekt Fabio Sandei entstand.
Als erstes ging es um den Bau eines Gemeinschaftszentrums, in dem eine Ganztags-Kinderkrippe (7.00 Uhr – 17.00 Uhr) ihren Platz fand. Die oftmals alleinerziehenden Mütter erhielten so die Möglichkeit, als Hausangestellte einer Beschäftigung nachzugehen. Für viele Kinder eröffnete sich zugleich die Möglichkeit einer warmen Mahlzeit.
In den folgenden Jahren erweiterte sich das Angebot: Ausbildungsprogramme für Jugendliche sowie Freizeitangebote wie Ballett, Capoeira, Trommel- und Schminkkurse kamen hinzu, all dies mit der Absicht, in diesem, von Drogen und Gewalt heimgesuchten Viertel, die Jugendlichen vor einem Absturz zu bewahren. Für Ältere erfolgte im Laufe der Zeit ein Angebot an Kunsthandwerkskursen. Im Gemeinschaftszentrum entstand zudem eine ärztliche -und zahnärztliche Grundversorgung. Auch eine rechtliche Beratung wurde angeboten, um gerade den Frauen, die nicht selten häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, eine Anlaufstelle anzubieten.
Neuerungen im Jahr 2025
Im Laufe der Jahre erweiterten sich die Aktivitäten, nicht zuletzt auch durch die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen wie SESC (Sistema Educacional de Serviço do Comércio) und SENAI (Serviço Nacional de Aprendizagem Industrial). Diese stellten und stellen bis heute immer mal wieder Lehrpersonal für vorgesehene Kurse zur Verfügung. Auch die staatliche Seite bemerkte die Veränderungen im Stadtteil und lernte die Arbeit des Teams zu schätzen. Hier war und ist es bis heute vor allem Gilmar de Oliveira zu verdanken, dass diese Arbeit so erfolgreich ist. Er ist voller Ideen, umtriebig und es gelingt ihm immer wieder Unterstützer:innen auch in Brasilien zu gewinnen. Geschickt knüpft er vielfältige Kontakte und zusammen mit Elias und Júnior bildet er ein Team, welches die Realisierung vorantreibt.
Nachdem während der Pandemie die Arbeit nur begrenzt aufrechterhalten werden konnte, änderte sich dies Ende 2022. Vor allem mit Unterstützung durch die Brasilieninitiative Freiburg e.V. bzw. vieler Einzelspenden gelang es den Bau einer notwendigen, weiteren Kinderkrippe anzugehen. Im obersten Stockwerk dieser 2024 eröffneten Kinderkrippe Fabio Sandei finden jetzt Aktivitäten wie Capoeira, Tanz und Ballett statt.
Anfang 2025 eröffnete eine weitere Kinderkrippe, Providência. Diese musste zuvor aufgrund der Gewalt- und Drogensituation an ihrem ursprünglichen Standort schließen. Dank Spenden aus Italien konnte sie jetzt an einem neuen Ort wieder eröffnen. Insgesamt werden inzwischen in den drei Kinderkrippen ca. 500 Kinder betreut, die neben einer täglichen warmen Mahlzeit auch pädagogische Angebote erhalten und, so die Hoffnung, einem besseren Leben entgegensehen.
Dies betrifft auch die Gesundheitsversorgung der in diesem Stadtteil lebenden Bevölkerung. Im ursprünglichen Haupthaus liegt der Fokus im Erdgeschoss auf der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen. Monatlich werden etwa 400 Menschen mit Behinderungen behandelt, darunter rund 100 Autisten. Für diese gibt es bisher keinerlei Angebote im Stadtteil. Im 1. Stockwerk befinden sich jetzt Behandlungsräume und im obersten Stockwerk (Anfang März 2025 im Rohbau) sind ein Operationsraum und einige Krankenzimmer vorgesehen. Im Hinterhaus ist der Verwaltungsbereich und die Küche angesiedelt, wo täglich hunderte von Essen zubereitet werden.
Zusätzlich gibt es „rollende Krankenstationen“ („Saúde nos Bairros“), Busse mit medizinischer Einrichtung, die für je zwei Wochen in einem Stadtteil stationiert sind. Danach ziehen sie weiter und kehren nach sechs Monaten zurück. Diese „Krankenstationen“ sind eine Ergänzung zu dem hier nicht gut funktionierenden Gesundheitssystem des Staates und werden inzwischen von diesem durch die Übernahme der Gehälter unterstützt. Für die Patienten bieten diese „rollenden Praxen“ eine Gelegenheit oftmals monatelange Wartezeiten zu umgehen.
Blick nach vorn: Berufsausbildungszentrum geplant
Neben Kinderkrippen, Gesundheits- und Rechtsberatung gilt es vor allem den Jugendlichen eine Perspektive zu eröffnen. Bereits jetzt wird versucht sie durch die erwähnten Freizeitangebote von der Straße zu holen, was jedoch nicht ausreicht. Gemeinsam mit Gilmar de Oliveira, dem Projektleiter, entwickelten wir deshalb die Idee eines Berufsausbildungszentrums. Ein Grundstück ist inzwischen erworben und jetzt gilt es den Bau zu finanzieren. Mit der Realisierung dieses Vorhabens würde sich ein Kreis schließen: von der Betreuung kleinauf bis hin zur Möglichkeit einer Berufsausbildung. Zunächst soll eine Ausbildung zum Bäckerhandwerk stattfinden. Später sollen dann weitere Kurse wie z.B. in den Bereichen der Schneiderei und Informatik dazukommen.
Die Finanzierung des Gebäudes stellt eine große Herausforderung für die kommenden Monate dar. Hervorzuheben ist, dass die Errungenschaften der vergangenen Jahre auch Folge von vielen Einzelspenden sowohl aus Brasilien als auch Deutschland ist.
Spenden bitte auf das Konto der Brasilieninitiative Freiburg e.V.
Volksbank Freiburg IBAN: DE88 6809 0000 0025 0548 06
Stichwort: Berufsausbildung
BrasilienNachrichten 171/2025

