Andreas Nöthen: LUIZ INÁCIO DA SILVA. Eine politische Biographie
Andreas Nöthen: LUIZ INÁCIO DA SILVA. Eine politische Biographie. Mandelbaum Verlag Wien/Berlin 2022, 255 Seiten; ISBN 978-3-85476-947-7, 20.00 €
Die Geschichte der Partido dos Trabalhadores (PT) ist untrennbar mit der Geschichte eines Mannes verbunden, der aus dem armen Südosten Brasilien stammt, in eine Favela in Sao Paulo zog, als Gewerkschaftsführer den demokratischen Übergang Brasiliens mitgestaltete und 2002 in das höchste Amt Brasiliens gelangte: Luis Ignácio da Silva, kurz Lula, eine Ausnahmeerscheinung in der brasilianischen Politik!
Nöthen spannt den Bogen von der Zeit der Militärdiktatur bis zu den Regierungen der demokratisch gewählten Präsidenten.
Auf dem Weg zur Präsidentschaft Lulas, der bei drei Wahlen unterlegen war, veränderte sich die PT: Ursprünglich ein breites Bündnis von fortschrittlichen Kräften unterschiedlicher politischer Couleur öffnete sie sich für Allianzen außerhalb des linken Spektrums, ging Kompromisse ein und ließ sich auf die schwierigen Spielregeln der brasilianischen Demokratie ein:
Politik zu gestalten in einem Land, in dem rund 25 verschiedene Parteien, oder treffender, lockere Sammlungsbewegungen ohne festes Parteiprogramm, im Kongress sitzen. Die Zersplitterung des Parlaments zwingt dazu, Bündnisse zu schmieden, dabei mögliche Verbündete mit unterschiedlichen Interessen zu befriedigen und auch mit eigenen Vorstellungen von Politik zu brechen.
Den PT-Regierungen gelang es Programme wie Bolsa Familia und Fome Zero aufzulegen, die Millionen Brasilianer aus der Armut holten, änderte jedoch nicht die neoliberale Wirtschaftspolitik ihrer Vorgänger. Auch unterblieb die dringend notwendige Landreform.
Ein weiterer Aspekt, um den das Buch kreist, ist das Thema Korruption, zu dem Nöthen eine nahezu unübersehbare Fülle von Fakten zusammengetragen hat. Eine straffere Darstellung und klarere Herausarbeitung der Hintergründe, insbesondere der Vorgänge, die zur Absetzung Dilma Rousseffs und zur Verurteilung Lulas führten, wäre wünschenswert und auch der Lesbarkeit des Buches dienlich gewesen.
Christine Moser
BrasilienNachrichten 167/2023