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Bereich: Kultur

Pixação, Grafite und die „Schöne Stadt“

Paula Larruscahim, Paul Schweizer

Kämpfe um die Ästhetik São Paulos

Aktuelle Machtwechsel und politische Kämpfe in Brasilien spielen sich nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in der Stadtpolitik ab. In São Paulo wird die Ästhetik des öffentlichen Raums dabei einmal mehr zum bevorzugten Schauplatz politischer Konflikte. Seit den 1990er Jahren haben konkurrierende Stadtverwaltungen ihre politischen Profile an der Frage geschärft, wie ein „schönes São Paulo“ auszusehen habe. Doch neben Berufspolitiker*innen mischen sich Grafiteiros und Pixadores, die die „cidade cinza“ – die Graue Stadt – mit oder ohne Genehmigung mitgestalten, in die Debatte ein. Sie setzen sich über ästhetische Vereinheitlichung hinweg und tun ihre Meinung dort kund, wo nicht einmal die politischen Eliten der Wirtschaftsmetropole sie ignorieren können – auf den Hochhausfassaden der Innenstadt. Fotos: Fabio “Fotorua” Vieira, www.fotorua.com.br

„Der Karneval gehört uns“ - Straßenkarneval in São Paulo

Günther Schulz

Sonntags um die Mittagszeit im größten Park São Paulos, dem Ibirapuera-Park : Zehntausende, viele kostümiert bzw. zumindest mit einer karnevalesken Kopfbedeckung versehen, haben sich bei 35 Grad versammelt: Sie warten auf den Beginn des „Bloco“ „Bicho maluco beleza“ mit dessen Hauptakteur Alceu Valenca. Zum dritten Mal tritt der aus dem Nordosten stammende 71-jährige Musiker beim Straßenkarneval in São Paulo auf. Seine Lieder kennt jeder in Brasilien. Kaum erscheint er auf einem umgebauten LKW voller Lautsprecher und beginnt, singt die Menge mit.

Olga Benário, ein deutsch – brasilianisches Schicksal

Wolfgang Kunath, Rio de Janeiro

Nein, dieses Porträt gibt keine Umstürzlerin, keine Revolutionärin, keine Heldin wieder. Vor rabenschwarzem Hintergrund zeigt es eine junge, anmutige Frau in einer zart malvenfarbenen Bluse; wenn man ihren Augen einen Ausdruck zuschreiben will, dann sicher nicht Entschlossenheit, Zuversicht und Heldenmut – sondern Ungewissheit, Besorgnis, sogar Angst. Die Hände, fast zu groß, liegen, die rechte über der linken, schützend auf ihrem Bauch. Und der Maler hat seinen Namen nicht parallel zum Bildrand unten gesetzt, sondern schräg, der Lage des rechten Armes folgend. So als wollte er die schützende Geste der Hand unterstreichen.

Jenseits des Forró pé-de-serra - Gegenwartsmusik im Nordosten Brasiliens

Andréa Rosevell Übersetzung: Hendrik Johannemann

Forró pé-de-serra, Xote, Xaxado und Baião – in den 50er Jahren waren dies die Musikstile, die man mit der Bevölkerung und der Kultur des nordöstlichen Brasiliens in Verbindung brachte. Luiz Gonzaga, Sänger und Komponist aus dem Bundesstaat Pernambuco und wohl wichtigster Repräsentant der damaligen brasilianischen Musikszene, charakterisierte den Nordosten Brasiliens trotz seiner häufig verdorrten Landschaften als Hort frohsinniger Menschen, stets bekleidet mit Hüten und Ledersandalen.

Neuerscheinungen zu Brasilien

Michael Kegler

Eines hat sich Brasilien inzwischen von Deutschland abgeschaut: Über das eigene Land herziehen. Sich nicht kritiklos der vermeintlichen Großartigkeit hingeben, sondern durchaus auch den Missstand beklagen. Wenn es sein muss, auch prophylaktisch.
Die Buchmesse 2013 war noch nicht ganz vorbei mit ihren gelungenen und fast unisono gelobten Gastlandauftritt Brasiliens, da begann bereits das vorauseilende Unken: