Bereich: Politik/Wirtschaft/Soziales
Auf dem Rückweg zur Kolonie
Andreas Behn, São Paulo
Schließung der Ford-Werke ist nur die Spitze des Eisbergs
Rezession, neoliberaler Ausverkauf und düstere Zukunftsaussichten unter einer autoritären Regierung: Der Wirtschaft in Brasilien geht es schlecht, nicht nur wegen der Pandemie-Krise, sondern auch wegen struktureller Mängel, die von der rechtsextremen Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro noch vertieft werden. Das größte Land Lateinamerikas entwickelt sich immer weiter in Richtung eines Agrarlandes, das auf Exporte in ferne Industriestaaten setzt, und vernachlässigt die eigene Industrie und damit ein nachhaltiges Wachstum. Anders als aufstrebende asiatische Staaten droht Brasilien seinen Status als Schwellenland de facto einzubüßen und mutiert zu einem Lieferanten für Soja und Rohstoffe – mit dramatischen Folgen für die Umwelt und ohne Aussicht auf sozialen Wandel.
Brasilien in der Corona-Umklammerung
Günther Schulz
Brasilien verliert gegen Covid-19! Die Sterbequote infolge der Pandemie steigt tagtäglich. Mitte Juni sind bereits über 450 000 Menschen gestorben, ein Ende des Sterbens ist nicht in Sicht.
Lula ist zurück
Thomas Fatheuer
Der 29. Mai markiert einen wichtigen Wendepunkt in den jüngeren Geschichte Brasiliens. Die Empörung über die mörderische Regierung Bolsonaro manifestiert sich endlich wieder auf den Straßen. In allen größeren Städten Brasiliens fanden Demonstrationen statt. Bislang hatte die Opposition wegen der Corona-Epidemie nicht zu öffentlichen Kundgebungen aufgerufen. Nun aber zeigte sie, wie Protest mit Verantwortung möglich ist: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen Masken und hielten Abstand
„Wer in den Regen rausgeht, weiß, dass er nass wird“
Pe. Júlio Lancellotti ist seit fast 30 Jahren der Leiter der Obdachlosenpastoral der katholischen Kirche in São Paulo. „Padre“ (also Pater, abgekürzt Pe.) bedeutet allerdings nicht, dass er einem Orden angehört, sondern ist eine einfache Anrede – er wurde Diözesanpriester, nach einigen Umwegen und anderen Ausbildungen, darunter auch Krankenpflege. Obwohl er natürlich mit einem großen Team und vielen Unterstützer*innen arbeitet, ist er das „Gesicht“ dieser Pastoral geworden – Obdachlose selber haben ja selten ein Gesicht.
Die Befreiungstheologie verliert eine weitere wichtige Stimme
Günther Schulz
Erstmals trafen wir uns im Jahr 1982 in São Félix do Araguaia. Ich lernte einen Menschen kennen, der nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis das Anliegen der Befreiungstheologie umsetzte und zu einer der wichtigsten Stimmen dieser theologischen Denkrichtung wurde.




